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Ist Filterkaffee gesünder? Der Papierfilter macht den Unterschied

Filterkaffee unterscheidet sich von anderen Zubereitungen in einem Punkt, der für deine Blutfettwerte relevant sein kann: Der Papierfilter hält bestimmte Kaffeeöle zurück. Was die Forschung dazu sagt und was nicht, liest du hier.

Brewista-Papierfilter

Cafestol und Kahweol: die Diterpene im Kaffee

Kaffeebohnen enthalten fettlösliche Verbindungen namens Diterpene, vor allem Cafestol und Kahweol. Nach einer Übersichtsarbeit von Urgert und Katan im Annual Review of Nutrition machen sie etwa ein Prozent des Bohnengewichts aus. Beim Brühen gehen sie mit den Kaffeeölen ins heiße Wasser über.

Die beiden Stoffe gelten als der Faktor, über den Kaffee den Cholesterinspiegel erhöhen kann. In kontrollierten Studien stiegen bei regelmäßigem Konsum größerer Mengen ungefilterten Kaffees das Gesamt- und das LDL-Cholesterin an. Cafestol hat dabei den deutlich stärkeren Effekt als Kahweol. Koffein spielt für diesen Zusammenhang keine Rolle: Auch entkoffeinierter Kaffee enthält Diterpene.

Was der Papierfilter zurückhält

Der entscheidende Punkt: Diterpene werden zwar vom heißen Wasser gelöst, aber von einem Papierfilter weitgehend zurückgehalten. Die Übersichtsarbeit von Urgert und Katan erklärt damit, warum gefilterter Kaffee in den Studien keinen relevanten Einfluss auf das Cholesterin hatte, während gekochter skandinavischer Kaffee, French Press und türkischer Mokka ihn hatten.

Auch die Harvard T.H. Chan School of Public Health hält in ihrer Übersicht zu Kaffee fest, dass ungefilterter Kaffee wie French Press oder türkischer Kaffee Diterpene enthält, die LDL-Cholesterin und Triglyceride erhöhen können, während gefilterter Kaffee fast keine Diterpene enthält.

ZubereitungFilterDiterpene in der Tasse
Handfilter, FiltermaschinePapiersehr wenig
Instantkaffeeindustriell verarbeitetsehr wenig
Espresso, Siebträger, VollautomatMetallsiebvorhanden, pro Tasse wegen der kleinen Menge begrenzt
French PressMetallsiebvorhanden
Türkischer Mokka, gekochter Kaffeekeinervorhanden

Filterkaffee oder Espresso: was ist gesünder?

Espresso und Kaffee aus dem Vollautomaten laufen nicht durch Papier, sondern durch ein Metallsieb. Sie enthalten daher Diterpene. Weil eine Espressotasse nur wenige Milliliter fasst, ist die Menge pro Portion aber begrenzt. Wer viele Espressi oder große Mengen Café Crème aus dem Vollautomaten trinkt, kommt entsprechend auf mehr.

Im direkten Vergleich ist Filterkaffee in Bezug auf die Diterpene die zurückhaltendere Wahl. Daraus folgt nicht, dass Espresso ungesund ist. Für Menschen mit erhöhtem LDL-Cholesterin kann der Papierfilter aber ein sinnvoller, einfacher Hebel sein.

Ist French Press gesünder?

Nein, zumindest nicht beim Cholesterin. Die French Press zählt zu den ungefilterten Zubereitungen; das Metallsieb lässt die Öle durch, die der Kaffee seinen vollen Körper verdankt. Genau diese Öle tragen die Diterpene. Wer viel French-Press-Kaffee trinkt und auf seine Blutfettwerte achten muss, sollte das mit seiner Ärztin oder seinem Arzt besprechen und die Werte im Blick behalten.

Eine praktische Zwischenlösung: Kaffee aus der French Press zusätzlich durch einen Papierfilter gießen. Das kostet etwas Körper, hält aber einen Großteil der Öle zurück.

Was diese Erkenntnisse nicht bedeuten

  • Filterkaffee ist kein Heilmittel und senkt kein Cholesterin. Er erhöht es nur in der Regel nicht über die Diterpene.
  • Der Effekt ungefilterten Kaffees zeigte sich in Studien bei regelmäßigem Konsum mehrerer Tassen täglich, nicht bei einer gelegentlichen Tasse.
  • Individuelle Reaktionen sind unterschiedlich. Wer erhöhte Blutfettwerte hat, sollte seine Zubereitung mit Fachleuten besprechen.
  • Andere Faktoren wie Zucker, Sirup oder große Mengen Sahne im Kaffee spielen für die Gesundheit eine eigene Rolle.

Unabhängig von den Diterpenen gilt auch für Filterkaffee: Koffein wirkt individuell unterschiedlich. In Schwangerschaft, bei Herzrhythmusstörungen oder Schlafproblemen ist eine ärztliche Einschätzung sinnvoller als jeder Ratgeber.

Filterkaffee zu Hause: worauf es ankommt

Damit der Papierfilter seine Arbeit macht, brauchst du nichts Besonderes, nur einen intakten Filter in passender Größe. Für den V60 eignen sich Hario-Filter, für Flachbodenfilter und Maschinen Wellen- oder Korbfilter wie die von Brewista. Spüle den Filter vor dem Brühen aus, um Papiergeschmack zu vermeiden.

Wenn du abends Koffein meiden möchtest, ist El Sueño aus Kolumbien eine Option: entkoffeiniert im Sugar-Cane-Verfahren und gut für den Handfilter geeignet. Wir rösten unsere Filterkaffees jede Woche frisch in kleinen Chargen und kaufen die Rohkaffees direkt bei befreundeten Farmern.

Quellen

Häufige Fragen

Ist Filterkaffee gesünder als Kaffee aus dem Vollautomaten?

Beim Cholesterin hat Filterkaffee einen Vorteil: Der Papierfilter hält die Diterpene Cafestol und Kahweol weitgehend zurück, das Metallsieb im Vollautomaten nicht. Ein Heilversprechen ist das nicht.

Erhöht Espresso das Cholesterin?

Espresso enthält Diterpene, wegen der kleinen Portion aber pro Tasse vergleichsweise wenig. Bei vielen Espressi am Tag summiert sich die Menge.

Ist entkoffeinierter Kaffee in diesem Punkt anders?

Nein. Die Diterpene haben mit dem Koffein nichts zu tun. Auch entkoffeinierter Kaffee enthält sie, wenn er ungefiltert zubereitet wird.

Hält ein Metallfilter die Öle zurück?

Nur wenig. Wiederverwendbare Metall- oder Stofffilter lassen mehr Öle durch als Papier. Für eine möglichst diterpenarme Tasse ist ein Papierfilter die bessere Wahl.

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